Hirtenweg Siedlung
Hirtenweg Siedlung
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EINREICHUNG Nr. 235
Mit den Neubauten am Hirtenweg werden vorgefundene Qualitäten in eine neue, dichtere Struktur überführt und weiterentwickelt.
Die Setzung der vier Bauten ergibt sich aus der Überschneidung von Abstandsflächen, dem Erhalt prägender Baumgruppen, optimaler Orientierung der Wohnungen, rationaler Erschliessungstypologie, der Nutzung bestehender Untergeschosse und der notwendigen Etappierung.

Dichtes Wohnen verlangt nach einer sorgfältigen Abstimmung von lebendiger Gemeinschaft und privatem Rückzug auf begrenztem Raum. Die Neubauten reagieren auf diesen Anspruch mit der klaren Zuordnung von öffentlichem und privatem Raum, belebten Erschliessungsbereichen und Rückzugsmöglichkeiten im Innen- und Aussenraum.

Für die nachhaltigen und in kurzer Bauzeit zu erstellenden Gebäude wurde die modulare Massivholzbauweise mit hohem Vorfertigungsgrades, gutem Schallschutz und einer sauberen Trennung von Primär- Sekundär- und Tertiärstruktur gewählt.
Texte Davos Kriterien (Selbstevaluation)
Gouvernanz
Das Projekt ist die erste Realisierung des Wohnbauprogramms 1000+ von Immobilien Basel (IB). Dieses Programm sieht vor, bis zum Jahr 2035 insgesamt 1000 neue Wohnungen zu erstellen die 15 - 20% unter Marktmiete angeboten werden. Um ihr Initialprojekt rasch zu realisieren, schrieb IB einen fairen Gesamtleistungswettbewerb aus. Anhand einer einfachen Formel wurde der Städtebau, die Architektur, die Sozialverträglichkeit und die Wirtschaftlichkeit in Form eines verbindlichen Angebots bewertet.
Funktionalität
Die Gebäude reagieren schlicht und funktional auf die Bedürfnisse der Nutzer. Die Erschliessung aus Beton garantiert Sicherheit und Beständigkeit, während Holz in den Privaträumen eine wohnliche Atmosphäre bietet. Dort schafft der Verzicht auf Erschliessungsflächen ein effizientes Raumkontinuum, und die diagonalen Raumbezüge, gepaart mit den raumhohen Fenstern, verleihen Grosszügigkeit. Durch die gezielte Nutzung von Vorhängen und Stoffstoren können die Bewohner ihre Privatsphäre gestalten.
Umwelt
Vorgefertigte Holzelemente sorgen für eine schnelle, sichere und umweltschonende Bauweise. Die Wiederverwendung bestehender unterirdischer Räume reduziert den Einsatz von Stahlbeton und minimiert die Umweltauswirkungen. Die Kenndaten der Fassade und die Eigenenergie der Photovoltaik-Paneele gewährleisten den nachhaltigen Betrieb. Die Lage der Gebäude schützt den Baumbestand. Die Umgebung ist versickerungsfähig und garantiert mit einer Vielzahl von einheimischen Gewächsen eine hohe Biodiversität.
Wirtschaft
Der eigentliche Verdienst dieses innovativen Bausystems besteht darin, dass Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit des Gebäudes Hand in Hand gehen. Die präzise Abstimmung mit den Planungs- und Bauteams ermöglichte eine maximale Optimierung der Ressourcen und der Bauzeit, was zu einem klaren wirtschaftlichen Vorteil führte. Die thermische Leistung der Gebäudehülle, die Effizienz der Heizungsanlage und die Photovoltaik-Paneele werden auch langfristig für niedrige Unterhaltskosten sorgen.
Vielfalt
Dieses soziale Wohnungsbauprojekt steht für Inklusion. Das Projekt gewährleistet die Zugänglichkeit in den Gebäuden und den Grünanlagen durch Rampen und Aufzüge. Dies ermöglicht eine vielfältige Altersmischung. Die Begegnungsstätten sind allen zugänglich und fördern die Interaktion zwischen den Bewohnern/-innen, und schaffen ein echtes Gemeinschaftsgefühl. Steuerabhängige Kostenmieten bieten faire Bedingungen für Mieter verschiedener Schichten und fördern die soziale Vielfalt.
Kontext
Die besondere landschaftliche Qualität des Ortes wurde bestmöglich bewahrt. Die Gebäudeabstände wurden sorgfältig geplant, um bestehende Bäume zu erhalten und Begegnungsräume mit hoher Lebensqualität zu schaffen. Diese Schonung der vorhandenen Natur zeigt Respekt gegenüber den bisherigen Bewohnern, die sich mit ihrer vertrauten Umgebung identifizieren. Dank der sozialverträglichen Etappierung konnte allen bisherigen Mietern der direkte Umzug in eine Ersatzwohnung vor Ort garantiert werden.
Genius Loci
Der erste wesentliche Schritt war die angemessene Anpassung an den Bestand. Die Gebäude sind städtebaulich optimal integriert und die natürlichen Materialien der Fassade schaffen eine Kontinuität zwischen dem Innen- und Außenraum. Die rote, diffusionsoffene Schlammfarbe verleiht den Gebäuden Ausdruckskraft und eine Wiedererkennungswert. Je nach Licht und Jahreszeit schafft die matte, rote Farbe unterschiedliche Farbkontraste zur Umgebung und formt einen spannenden Dialog mit der Natur.
Schönheit
Das Projekt steht für die kohärente, harmonische Gestaltung von Räumen, Materialien und Farben, die im Dialog mit der Umgebung stehen. Der Entwurf bietet Kontinuität zwischen Innen- und Außenräumen und die Unterteilung der Räume schafft kontinuierliche Ausblicke und vielfältige LIchtstimmungen. Im Außenbereich bilden die Gebäude einen Rahmen für Natur und Gemeinschaftsräume. Die Anmut entsteht in der Symbiose von Individuum, Gemeinschaft, Architektur und Natur.
Eigenschaften
Ort
14, 22 & 24 Hirtenweg, 4125 Riehen, Schweiz
Baukategorie (SIA 102)
Wohnen
Art der Aufgabe
Neubau
Art des Verfahrens
Wettbewerb
Beschaffungsform
Selektives Verfahren
Baukosten in CHF (SIA 416)
14'649'601 BKP2
Geschossfläche in m² (SIA 416)
5'012 (4'249 beheizt)
Planung
2018 → 2020
Fertigstellung
2020 → 2022
Inbetriebnahme
2021
Projektbeteiligte
Architektur
Bauherrschaft
Landschaftsarchitektur
Bauingenieurwesen
HLKS-Planung
General-/Totalunternehmung
Elektroplanung
R+ B Engineering SB
Fotografie