Wildtierbrücke Rynetel, 5034 Suhr
Wildtierbrücke Rynetel, 5034 Suhr
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EINREICHUNG Nr. 423
Die erste Schweizer Wildtierbrücke mit einer Holzüberdeckung ermöglicht Wildtieren die sichere Überquerung der Autobahn A1, indem sie durchtrennte Wildtierkorridore wieder naturnah verbindet. Hierbei erwies sich insbesondere die Holzüberdeckung als effiziente sowie ökologische Alternative. Das Bauwerk minimiert Erdauflasten und schafft eine nahezu ebene Nutzfläche für Wildtiere. Die Konstruktion kombiniert gebogene Brettschichthölzer und Betonwände, um seitliche Kräfte aufzunehmen. Die Holzüberdeckung ist mit einer Detailausbildung nach den Regeln des konstruktiven Holzschutzes vor Feuchte, Tausalzen und Witterungseinflüssen geschützt. Konstruktiv fachmännisch verbaut bleibt das Holz dauerhaft intakt und lagert CO2 im Bauwerksprogramm ein. Dieses Vorzeigeprojekt hat Signalwirkung für die Nutzung von Holz im Infrastrukturbau. Dank präziser Holzträger-Vorfertigung und optimierter Prozesse wurde die Brücke sehr schnell erbaut, und der Verkehr wurde nur minimal beeinträchtigt.
Texte Davos Kriterien (Selbstevaluation)
Gouvernanz
Die Planung und Umsetzung dieses Projekts basierte auf einer vorbildlichen Zusammenarbeit zwischen Behörden der öffentlichen Hand, Naturschutzorganisationen, Jagdverbänden, Wildtierbiologen sowie der Ingenieurgemeinschaft und der Landschaftsplaner. Dieses breite Spektrum gewährleistete, dass alle Interessen und Bedenken gehört wurden und führte zu einer harmonischen Umsetzung, die sowohl den Schutz der Wildtiere als auch die Bedürfnisse aller Interessengruppen berücksichtigte.
Funktionalität
Die Brücke wurde eigens konzipiert, um den Wildtierkorridor, welcher durch Infrastrukturbauten durchtrennt wurde, wieder miteinander zu verbinden. Die Konstruktion wurde wartungsarm und beständig konzipiert und gebaut. Die Abmessung und Ausrichtung der Brücke ist optimal auf die Bedürfnisse der Tiere abgestimmt. Ihnen wird eine sichere und einfache Querung der Autobahn ermöglicht. Ebenfalls ist ein späterer Spurausbau der Autobahn in der Konzeption berücksichtigt.
Umwelt
Bei der Materialwahl und Konstruktion wurde streng auf Umweltverträglichkeit geachtet. Die 17.4 m langen Bogenträger aus heimischem Schweizer Holz wurden aus nachhaltiger Forstwirtschaft gewonnen. Diese Wildtierüberführung wirkt dem Trend sinkender Biodiversität aktiv entgegen, indem sie getrennte Ökosysteme wieder vernetzt. Mit dem lokal verfügbaren Werkstoff Holz wurde ein Bauwerk aus der Natur, für die Natur realisiert.
Wirtschaft
Durch die Ingenieurgemeinschaft wurden beim Projekt viele notwendige technische Details individuell entwickelt, auf dessen Know-how auch künftige Projekte (auf-)bauen können. Das Projekt bewies, dass Holz als einheimischer Rohstoff eine kostengünstige, äusserst wirtschaftliche und ökologische Alternative für Grünbrücken ist. Der Holzeinsatz überzeugt: Dank der Vorfertigung der Holzträger konnte die Brücke schnell erstellt werden und der Verkehr jederzeit weiterrollen.
Vielfalt
Aufgrund der der starken Besiedelung der Schweiz in den letzten Jahrzehnten wurden die Wildtiere immer mehr zurückgedrängt. Infrastrukturbauten wie Autobahnen stellen für die Wildtiere unüberwindbare Hindernisse dar. Mit der Wildtierüberführung Rynetel konnte ein durch die Menschheit geschaffenes Hindernis beseitigt und für die Wildtiere wieder passierbar gemacht werden. Somit können sich die Wildtiere untereinander wieder vernetzen und genetisch weiterentwickeln.
Kontext
Durchgängig verbundene Wildtierkorridore ermöglichen den Tieren ihrem Instinkt nach wandern nachzukommen. Zwischen Schlaf- und Futterplätzen, zwischen Sommer- und Winterlebensräumen oder bis hin zu ihren Fortpflanzungsstätten. Diese Wanderungen sind sehr wichtig, damit die Arten fortbestehen und die genetische Vielfalt sichergestellt bleibt. Das Projekt verbindet Mensch und Tier, indem der Natur ein ihr zustehender Lebensraum wieder verbunden und vom Menschen an sie zurückgegeben wird.
Genius Loci
Infrastrukturprojekte wie der Bau von Nationalstrassen und Bahnlinien durchtrennten natürliche Wildtierkorridore von überregionaler Bedeutung und erforderten topografische Terrainveränderungen. Die Grünbrücke Rynetel verbindet diese Wildtierlebensräume wieder in dem sie in ihrer erstellten Form das Terrain und die damalige natürliche Umgebung kongruent abbildet. Die Überführung ist bis auf die Höhe des bestehenden Waldgeländes arrondiert, mit Erdreich überdeckt und begrünt.
Schönheit
Die Konstruktion der Grünbrücke Rynetel überzeugt in der kombinierten Materialwahl von Holz und Beton. Die seitlich und fahrbahnmittig betonierten Auflager wirken ruhig und unscheinbar. Der mit Bogenträger aufgesetzte Holzüberbau verleiht dem Projekt optisches Design und Ästhetik. Die imposante Bogenkonstruktion ist für die Verkehrssteilnehmenden bei der Durchfahrt sichtbar – hingegen oberseitig für die Tiere nicht wahrnehmbar, da die Brücke natürlich bebaut und mir Erdreich überdeckt ist.
Eigenschaften
Ort
5034 Suhr
Baukategorie (SIA 102)
Brücken
Art der Aufgabe
Neubau
Art des Verfahrens
Offerte
Baukosten in CHF (SIA 416)
Bauwerkskosten rund 13.9 Mio. CHF
Geschossfläche in m² (SIA 416)
Querungsfläche zur Verbindung der Wildtierkorridore (Brückenfläche) rund 2'000 m2
Planung
2014 → 2019
Fertigstellung
2020 → 2021
Inbetriebnahme
2021